Regionale Buchungsplattformen im Aufwind

Corona mischt die Karten neu, auch bei den Buchungskanälen

„Lokale und regionale Vertriebskanäle sind infolge der Einschränkungen für internationales Reisen gestärkt hervorgegangen“,

schreibt der Channelmanager-Hersteller SiteMinder im kürzlich erschienenen „Leitfaden zu den ertragreichsten Buchungskanälen 2020“ (Quelle). Nachdem jahrelang wenige großen internationalen Buchungsportale den Markt unter sich aufgeteilt haben, gewinnen Destinationen und Angebotsgruppen gerade seit Beginn der Corona-Pandemie Marktanteile hinzu. Im Sommer 2020 funktionierte Urlaub ja nur innerhalb der sogenannten „Nahmärkte“. Logisch, dass internationale Plattformen dann weniger mit ihrer Reichweite erwirken können.

Beschränkung – oder neue Sehnsucht nach Ursprung?

Steckt mehr als Grenzschließungen hinter dieser Entwicklung? Ich sehe durchaus Parallelen im aktuellen Ansturm auf Bio-Produkte und Ab-Hof-Verkauf.

Oekolandbau.de schreibt über die Entwicklung des Bio-Markts 2020: „Der Bio-Umsatz legte ungefähr doppelt so stark zu wie der des gesamten Lebensmittelmarktes. Während der Pandemie griffen die Verbraucherinnen und Verbraucher beim Einkauf deutlich häufiger zu Bio-Produkten als je zuvor.“ Und weiter, „der Wunsch vieler Kundinnen und Kunden, Produkte bester Qualität und Frische aus der Region einzukaufen, ist gerade in Zeiten der Pandemie gewachsen. Denn der ackernahe Einkauf schafft Vertrauen und hat an Stellenwert gewonnen. Die Direktvermarktung steigerte 2020 ihren Umsatz mit Bio-Lebensmitteln um knapp 30 Prozent.“ (Quelle)

Bio-Landwirten wird vertraut
Am liebsten direkt vom Erzeuger, Bio-Landwirte genießen großes Vertrauen, SZ, 19.02.2021

Der gestiegene Bedarf nach vertrauensvollen Produkten ist also der eigentliche Treiber hinter dieser Marktveränderung im Lebensmittelbereich.

Vertrauen ist die neue Währung

Alle Meinungsforscher sind sich einig,

2021 wird Vertrauen zum wichtigsten Gut im Tourismus.

Ohne Vertrauen, keine Buchungen. Und genau dabei punkten auch die regionalen Buchungsplattformen. Sie sind quasi der Ab-Hof-Laden für Betten. Wer, wenn nicht die regionalen Anbieter sollen genau die Sicherheits- und Hygienelage vor Ort kennen? Der Gastgeber oder die Gastgeberin steht mit seiner/ihrer Person als Garant für einen sichern Urlaub. Entsprechend darf das Angebot gerne mit einer persönlichen Note präsentiert werden. Authentizität vermittelt Vertrauen.

Onlinebuchung ist Pflicht

Direkter Kontakt zum Gastgeber, ja. Die Buchung soll aber bitte schnell und sicher passieren. Wer erwartet, dass die Sehnsucht nach Transparenz und Information der Unterkunftsanfrage Auftrieb verleiht, täuscht sich. Die aktuelle Trendstudie der Deutschen Reiseanalyse geht von einem ungebremsten Wachstum der Online-Buchung aus. Von derzeit 44 % wird sie auf 66 % in 2030 steigen. Das gilt natürlich nur im Durchschnitt und für Reisen über fünf Nächte. Für Kurzreisen liegt der Online-Anteil jetzt schon über 70 %. Das eh schon kurzfristige Buchungsverhalten der Gäste wird in diesem Sommer wohl nochmal schnelllebiger werden. Die Onlinebuchung ist der einzige Buchungsweg, der der Erwartung der Gäste nach schnellen Verfügbarkeiten gerecht wird.

Deutsche Reiseanalyse Onlinebuchung Trend
Deutsche Reiseanalyse 2008-2020, Onlinebuchung Trend

Privatvermietern kann man vertrauen

Betten direkt ab Hof – genau diesen Gedanken beschrieb ich schon 2014 in einem Artikel auf eCoach.at. Ich fragte damals, was wir aus dem Marketingkonzept Ab-Hof-Verkauf für die Direktvermarktung von Betten lernen können. Heute, sieben Jahre später, sind nur wenige zarte Pflänzchen am Austreiben. Trotz vieler positiver Ansätze wie Almliesl, Hüttenland, Urlaub am Bauernhof oder Alpine Gastgeber – der große Wurf war bislang noch nicht dabei. Dabei gilt der entscheidende Bonus heute mehr denn je: die Ehrlichkeit hinter dem Angebot, die einen hohen Vertrauensvorschuss des Gastes mit sich bringt. Beste Voraussetzungen also für den Sommer 2021. Ich drücke die Daumen.

Urlaub auf dem Bauernhof_eCoach.at
Urlaub auf dem Bauernhof – wird 2021 zum Gewinner

Teile dieses Artikels erschienen im Mitgliedermagazin der Privatvermieter Salzburg 03/2021.

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