Linked Open Data im Tourismus

Zwei Daten-Projekte – vorgestellt auf dem Castlecamp 2018

Linked Open Data ist das neue Buzz-Wort in der eTourismus-Szene. Das wurde beim diesjährigen CastleCamp auf der Burg Kaprun offensichtlich. Ausgangspunkt ist die Vision einer idealen Welt, in der klar strukturierte und konsistente Informationen über das (touristische) Angebot einer Region frei verfügbar für jeden Nutzer (und Entwickler) online abrufbar sind.

Die Bedeutung von Daten im Tourismus erklärte ich auch schon in diesen Beitrag.  Aber wozu braucht man Linked Open Data? Man kann doch heute schon alles googeln, möchte man einwenden. Unser Suchverhalten ändert sich aber rapide. Wir werden zukünftig mittels Sprache Geräte wie Amazons Alexa oder andere Sprachassistenten nach der Schneehöhe fragen. Und Amazon wird sicher nicht googeln.

Damit neue Anwendungen richtige Antworten geben können, brauchen sie interpretierbare, konsistente Daten. Stand heute liegen Daten über touristische Infrastruktur – historisch gewachsen – in voneinander getrennten Datenbanken, die nur über Schnittstellen untereinander verknüpfbar sind.

Dieses Manko sollen dezentrale Datenstrukturen mit einem gemeinsamen Vokabular richten.

Dezentrale Datenstrukturen; Quelle: Florian Bauhuber, Castlecamp, 8.9.2018
Dezentrale Datenstrukturen; Quelle: Florian Bauhuber, Castlecamp, 8.9.2018

Schöne neue Datenwelt

Zukunftsmusik? Nein, Beispiele von Informationswolken die frei im Netz zugänglich gibt es schon aus vielen Branchen. In der Open Data Cloud liegen diese Schätze für jeden bereit. Mit der eben erst veröffentlichten Google Suche Dataset Search kann man das Internet danach durchsuchen. Wenn ein Klimaforscher zum Beispiel Daten von großen Stürmen sucht, findet er die frei zugänglich in der NCDC Storm Events Database

Vorgeschlagenes Ergebnis in Googles neuer Dataset Search
Vorgeschlagenes Ergebnis in Googles neuer Dataset Search

Der Knowledge Graph des SalzburgerLand Tourismus

Eine Umsetzung des Open-Data-Gedankens für DMOs ist der Knowledge Graph des SalzburgerLandes. Einen Knowledge Graph kann man sich wie die Site Map einer Webseite (also quasi das Inhaltsverzeichnis) vorstellen, nur halt über Grenzen von vielen Webseiten hinweg, mit erklärenden Querverweisen zwischen allen Einträgen. Dieses Video versucht den Ansatz einfach zu erklären.

Qualität der Daten steigt

Ein positiver Nebeneffekt – liebevoll Schneeberichtseffekt genannt – ist eine gesteigerte Datenqualität. Um im Beispiel zu bleiben, wenn im Winteranfang in irgendwelchen Berichten im Internet noch 0 cm Schneehöhe steht obwohl bereits Pisten präpariert sind, ruft das typischerweise eine heftige Reaktion der Seilbahn-Manager hervor.

Durch die größere Sichtbarkeit, die Informationen über POIs oder Veranstaltungen durch den SalzburgerLand Knowledge Graph bekommen haben, stieg deren Qualität. Es wird von den Verantwortlichen einfach mehr Wert auf die Datenpflege gelegt.

SEO – Suchmaschinensichtbarkeit

Anscheinend ist SalzburgerLand Tourismus hier ein großer Coup gelungen. Durch das mehr an Daten, die in höherer Qualität vorliegen und die für Suchriesen wie Google besser zugängliche Aufbereitung steigert die Webseite des Salzburgerlandes die organische Suchreichweite erheblich. Der Umsetzungspartner WordLift schreibt dazu auf seinem Blog:

„Between February 2017 and July 2017, the site has acquired via organic search 148.166 new users. When compared to other 161 online properties (using Google Analytics benchmarking tool) in Austria (with similar traffic) this is 92.65% more than anyone else. Salzburgerland.com, so far, has been really outperforming its competitors.“

Das läßt natürlich aufhorchen – gerade zu einer Zeit, wo die bisherigen Rezepte der SEO (Suchmaschinenoptimierung) immer weniger greifen.

DACH KG – der Knowledge Graph für den DACH-Raum

Ein ambitioniertes Projekt stellte Florian Bauhuber vom Beraternetzwerk Tourismuszukunft vor. Die Arbeitsgruppe nennt sich DACH-KG, also KG wie Knowledge Graph für den deutschsprachigen Raum. Teilnehmer sind zum Beispiel die Tourismusorganisationen aus Österreich, Tirol, Vorarlberg, Deutschland, Thüringen, Brandenburg und Südtirol. Das Semantic Technology Institute (STI) bzw. MindLab in Innsbruck stellt die technische Infrastruktur zur Verfügung.

In dieser Gruppe hat man sich zumindest schon auf ein stufenweises Vorgehen geeinigt.

Stufenweises Vorgehen der Arbeitsgruppe DACH KG
Stufenweises Vorgehen der Arbeitsgruppe DACH KG

Gemeinsame Sprache – Schema.org

Grundlage, damit die touristischen Daten in einem Graph verknüpft werden können ist zunächst die Kennzeichnung der Daten durch ein gemeinsames Vokabular. Ein Beispiel: das Datenfeld, dass anzeigt ob ein Hotel Haustiere akzeptiert heißt bei einem IT-System „Haustier_willkommen“, in einem anderen „KeinHaustier“. Damit für alle zukünftigen Anwendungen aber klar ist, was gemeint ist braucht es einen Standard. Die offene Mark-up Sprache Schema.org bietet sich aus vielen Gründen an, der gemeinsame Nenner von Datenauszeichnungen zu werden. Jeder Anbieter würde sein Datenfeld gleich lassen, aber es zusätzlich mit petsAllowed nach dem Vokabular von Schma.org für Hotels auszeichnen.

Für viele touristische Datentypen ist das Schema.org-Vokabular aber noch nicht ausreichend, um die Komplexität im Tourismus abzubilden (z.B. Unterkunftstypen, Wandertouren, Stadtführungen). Globale Datenriesen wie Google verstehen oft nicht die Besonderheiten im deutschsprachigen (Ferien-)Tourismus. Die DACH-KG Arbeitsgruppe hat sich in Schritt zwei vorgenommen, für diese Datentypen eine gemeinsame Sprache zu entwickeln bzw. Schema.org so zu erweitern, dass dieses Vokabular von den Big Playern letztlich übernommen wird.

Mit vereinten Kräften lassen sich auch globale Datenkonzerne beeinflussen. Die Vision: Offene Daten brechen sogar das Oligopol der GAFA, so lautet die Kurzform für das Quartett Google, Apple, Facebook und Amazon.

Fazit

Daten sind quasi der Treibstoff für touristische Anwendungen, egal auf welchem Endgerät. Die Frage mit welchen Rechten sie ausgestattet sind, wo sie liegen und wem wir sie in welcher Form zugänglich machen wird uns noch die nächsten zehn Jahre stark beschäftigen. Es ist Zeit, Datenmanagement neu zu denken.

Und wer jetzt mehr vom Castlecamp sehen möchte, hier ein Video von ein paar Sessions am Samstag, 8.9.2018 …

2 Gedanken zu „Linked Open Data im Tourismus“

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