Fehler im Internet – #1 Daten vernachlässigen

Neue Serie: 5 Fehler im Online-Vertrieb von Hotels und Appartements

18 Jahre ist es jetzt her, dass Boris Becker „drin“ war – im Internet.

Seit diesem Klassiker-TV-Spot hat sich viel verändert: verheiratet ist er längst nicht mehr mit der Frau, über die er im Sport spricht, und auch die herrliche jugendliche Naivität („ich bin ja kein Tekkie“) ist einem inzwischen fünfzig jährigen Geschäftsmann gewichen. Das Internet aber blieb und hat die Art wie wir leben, arbeiten und reisen komplett verändert.

Mit der „Volljährigkeit“ des Internets hat es auch seine Unschuld verloren. Nur drin genügt nicht mehr. Heute bestimmt die Performance im Onlinebereich den Geschäftserfolg in vielen Wirtschaftsbereichen – und besonders im Tourismus. Weil der Gast in jeder Phase des Reisens mit internetbasierten Medien erreicht und begeistert werden kann, rächen sich Fehler gleich mehrfach.

Fünf Fehler

Mit diesem Artikel beginne ich eine Serie über typische Fehler, die beim Verkauf von Zimmern und Appartements über das Internet gemacht werden. Natürlich ist die Liste der Versäumnisse keineswegs vollständig oder repräsentativ. Sie soll nur hinweisen auf Bereiche, auf die es sich als touristischer Anbieter im Internet genauer zu schauen lohnt.

#1 Daten vernachlässigen

Das Thema Daten hat viele Aspekte. Daten wenn sie als Inhalte für den Besucher eine Webseite sichtbar werden, nennt man englisch Content.

Content is king

Dieser Grundsatz gilt noch immer. Um im Onlineverkauf erfolgreich zu sein, braucht man also gute Texte und Bilder, die auf die Zielgruppe abgestimmt sind. Was heißt das im Einzelnen?

Daten müssen vollständig sein

Auf die typischen Fragen eines Gastes müssen in den Online-Kanälen Antworten vorhanden sein. Auf Plattformen hilft meist eine Anzeige im Wartungszugang, wie gut die Daten eingepflegt sind. Im feratel WebClient 4 zeigt beispielsweise der Content Score, ob ausreichend Bilder, in der richtigen Auflösung, Texte und Kriterien gewartet sind. Und Tipps zur Verbesserung werden auch gleich angezeigt – nützen Sie solche Hilfen.

Der Content Score im feratel WebClient 4
Der Content Score im feratel WebClient: 81,4% Datenqualität

Daten müssen gut sein

Sind die Fotos des Hauses und der Zimmer wirklich so hochwertig wie Ihr Angebot? Es lohnt sich einen Fotografen zu engagieren, denn Ihre neuen eigenen Bilder und Videos verwenden Sie mehrfach: auf der eigenen Webseite, auf Portalen, in Sozialen Netzwerken, der Weihnachtskarte, in Angeboten …

Frühstücksbuffet - nicht nur lecker sondern gut fotografiert (Foto Claudia Viloria/Unsplash)
Frühstücksbuffet – nicht nur lecker sondern gut fotografiert (Foto Claudia Viloria/Unsplash)

Auch bei den Texten lohnt es sich, Zeit zu investieren. Nur allzu gern schreibt man 08/15-Formulierungen, die der Leser schon auf zig anderen Webseiten so gelesen haben könnte. Sie möchten aber die Besonderheiten Ihres Hauses in einzigartiger Weise beschreiben! Ein paar Tipps zum Texten für E-Mails finden Sie in diesem Artikel.

Daten müssen aktuell sein

Klingt einleuchtend. Das Problem ist meist, dass man über die Jahre nicht mehr alle Plattformen und Webseiten weiß, auf denen man irgendwann mal Texte und Bilder eingestellt hat. Tipp: führen Sie eine Liste mit dem Portalnamen, möglichen Zugangsdaten und wann Sie welche Infos und Bilder veröffentlicht haben. Wenn sich dann Informationen ändern, können Sie an allen Stellen den Inhalt anpassen. Nicht, dass es Ihren Gästen geht wie in diesem Hotel, dem der Strand abhanden gekommen war und die Gäste falsch informiert waren.

Hotelbewertung: falsche Informationen führen zu Unzufriedenheit
Hotelbewertung: falsche Informationen führen zu Unzufriedenheit

Daten müssen auslesbar sein

Zum Thema Daten gehört aber eine weitere Dimension: können sie auch von Maschinen gelesen werden? In den nächsten Jahren wird sich die Art wie wir gewohnt sind, das Internet zu durchforsten, stark verändern. Webseiten verlieren an Bedeutung, weil andere Zugriffsmöglichkeiten anstatt von Webbrowser genutzt werden. Mit Sprachbefehlen unterhalten wir uns heute schon mit Geräten wie Amazons Alexa, sprechen mit unseren Smart-Uhren am Handgelenk oder unseren Autos. Die Antworten die all diese Dinge uns geben, kommen aus Daten die sehr wohl noch im Internet liegen aber eben nicht mehr optisch mit einem Browser auf einer Webseite angezeigt werden. Google kombiniert für seine Antwort-Dienste Informationen aus Google My Business (siehe dieser Artikel) mit Inhalten direkt aus dem Programm-Code von Webseiten.

 Google-Suchergebnis mit Kaiserschmarren rezept direkt aus der Webseite des Hotels
Google-Suchergebnis mit Kaiserschmarren rezept direkt aus der Webseite des Hotels

Bei dieser Google-Suche nach “Kaiserschmarren Hotel Rezept” schafft es der Salzburger Hof nicht nur auf Platz eins sondern Google platziert auch eine Antwortbox oberhalb der Suchergebnisse mit dem Rezept. Das stammt direkt aus den Daten der Webseite des Salzburger Hofs.

Damit aber Informationen wie Veranstaltungen oder Öffnungszeiten als solche von Sprachassistenten und Chat-Bots erkannt und ausgegeben werden, müssen sie lesbar sein. Das passiert durch ein sogenanntes Markup, also eine Art Kennzeichnung (oder Annotierung) direkt in der Programmierung der Webseite. Das bekannteste Markup-System  ist Schema.org.

Dabei wurde in diesem Beispiel nicht mal das volle Potenzial der Annotierung ausgeschöpft. Die Teile der Rezepte könnten mit Zutaten, Kochdauer, Nährwert etc. spezifiziert werden (vgl. http://schema.org/Recipe).

Und die Möglichkeiten, Daten von Hotels mit Schema.org  maschinenlesbar zu machen, reichen von Check-In/Check-Out-Zeiten, Preisen, Anzahl Zimmer, Sprachen, Hotelgruppen bis zu Sauna ja/nein.

Experten-Tipp: von Google gibt es natürlich auch einen Check mit dem man prüfen kann, ob die Annotierung der Daten auf der eignen Webseite richtig erfolgt ist.

Dass es sich für ein Hotel lohnt, sich mit strukturierten Daten auf der eigenen Webseite zu befassen, beweist eine aktuelle Umfrage von Triptease. Befragt wurde eine Fokus-Gruppe mit 32 Hoteliers nach erfolgreichen Strategien für mehr Dirketbuchungen. Die Maßnahme “Schema.org implementieren” belegte den ersten Rang nach Effizienz – also mit dem besten Aufwand/Nutzen-Verhältnis.

Daten müssen geschützt werden

Nur kurz auch noch dieser Aspekt: Personenbezogene Daten müssen besonders geschützt werden – und dass nicht erst seit der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ab Mai 2018.

Dazu mahnende Worte von Markus Gratzer, Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) in einer Aussendung:

„Ich warne wirklich davor, das Thema auf die leichte Schulter zu nehmen: Das wäre Poker mit sehr hohem Einsatz“

Merke: Speichern und verarbeiten Sie nur Daten von Personen, wo es nötig ist und der Gast dem zugestimmt hat. Mehr zum E-Mail-Einverständnis lesen Sie in diesem Artikel, Details zur DSGO in diesem Artikel der Österreichischen Wirtschaftskammer.

Soweit zum Thema Daten. Der nächste Artikel in der Serie über Fehler beim Online-Vertrieb rückt wieder den Gast in den Mittelpunkt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.