Social Media im Tourismus #1 – So geht’s 2020

So nutzt man Social Media 2020 für Hotels

Im Februar 2014 erschien der erste Artikel über Social-Media-Marketing für Vermieter und Hotels auf eCoach.at. Damals gabs eigentlich nur Facebook und alles war kostenlos. Seitdem ist im Bereich der sozialen Netzwerke viel passiert. Hotels und Destinationen haben den Wert erkannt und betreiben Profile und Seiten auf verschiedenen Plattformen. Werbeagenturen organisieren virale Kampagnen. Und unsere Gäste? Sie liken immer weniger, kontaktieren uns über Messenger-Dienste, bekommen ohne gratis WLAN Entzugserscheinungen und posten andauernd Selfies. (Es sterben übrigens fünfmal mehr Menschen beim Selfie machen, als durch Hai Angriffe. →Quelle)

Absteigender Ast?

Trotz der Allgegenwärtigkeit, der Hype um Social Media im Tourismus ist vorbei – lange schon. Warum eigentlich? An den Reichweiten von sozialen Netzwerken und der Lebenswirklichkeit liegt das nicht. Vielmehr haben sich überzogene Erwartungen an die neuen Medien nicht erfüllt. Damals, in den frühen 2010er Jahren, war die Hoffnung aufgekommen, über Social Media auch Transaktionen wie Buchungen abwickeln zu können – Social Commerce. Es gab einige technische Lösungen für Buchung. Aber nicht alles was technisch funktioniert, macht auch Sinn.

Tatsächlich sucht der Nutzer von Social Media andere Dinge: Sozialen Austausch, Unterhaltung, Selbstdarstellung, … aber echte Käufe werden selten ausgelöst.

“Jetzt buchen“-Button auf Facebook-Seite – in Wirklichkeit aber kaum genutzt

Fakt ist, um spezielle Zielgruppen zu Reisezielen zu inspirieren, gibt es auch noch 2020 kaum einen besseren Werbeweg, als Social Media.

Was bisher geschah?

Um Social Media 2020 im Tourismus gewinnbringend zu nutzen, ist es wichtig, die Entwicklung diese Kanals zu verstehen. Hier – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – ein kurzer Abriss, was sich die letzten Jahre im Gebiet des Social-Media-Marketings verändert hat.

Durchdringung

Social Media wird weltweit von 45% der Bevölkerung genutzt, Deutschland liegt mit 46 % fast genau im Welt-Schnitt.

„Im Fünfjahresvergleich ist die durchschnittlich in den sozialen Medien verbrachte Zeit erheblich gestiegen: die Menschen sind im Vergleichszeitraum zu 2014 heute im Schnitt täglich 40 Minuten (und damit 40% länger) in den sozialen Medien unterwegs.“ (Quelle: Hootsuite)

In Deutschland verbringen die Internetnutzer aktuell täglich sogar über eine Stunde in den sozialen Medien.

Vielfalt

Unterschiedliche Bevölkerungsschichten nutzen unterschiedliche Netzwerke. Die Tochter will nicht mit Mama auf Facebook alle ihre Geheimnisse teilen. So kommen ständig neue Plattformen auf den Markt. Für die Generation Z (Geburtsjahr 1997 bis 2012 ), beispielsweise, sind laut dem Social Media Profi Charles Bahr insbesondere die Plattformen Instagram, Snapchat und YouTube relevant – gefolgt von Tik Tok, Tiwitch und Twitter.

Sozialen Netzwerke benützt von Generation Z (Quelle: Charles Bahr)
Welche Sozialen Netzwerke benützt Generation Z? (Quelle: Charles Bahr)

Andere Netzwerke verschwinden, wie Google+ im April 2019 (haben Sie dafür etwa noch Share-Buttons auf der eigenen Webseite?).

Kommerzialisierung

Die Unschuld der Anfangstage ist dahin. Jedes soziale Netzwerk hat umfangreiche Werbemöglichkeiten entwickelt, die gegen Geld gebucht werden können. Das Besondere: ein Social Network kennt seine User besser als jede andere Internetplattform und kann darum ausgefeilte Möglichkeiten zur Zielgruppenansprache bereit stellen.

Direktnachrichten (Messenger)

Das schicken von persönlichen Nachrichten wie auf Whatsapp, ist der Teil von Social Media, der in den letzten Jahren am meisten zugelegt hat. Hootsuite schreibt zu den Gründen:

„Die Vertrauenskrise in den sozialen Medien hat dazu geführt, dass sich die Nutzer in kleineren und privateren Kreisen austauschen“

Merke: Whatsapp hat erst kürzlich klargestellt, dass der Dienst nicht zum verschicken von automatischen Nachrichten (Bots) oder Massennachrichten wie Newslettern genützt werden darf.

Und auch Kundenservice verlegt die junge Generation in Social Media:

Video

Menschen lieben Bewegtbild. Durch die immer größere Internetbandbreite ist es heute möglich, unzählige (kurze) Videos durch das Netz zu schicken. Facebook fördert dieses Content-Format, indem es automatisch die Reichweiten dafür erhöht.

Mobile

Logisch, die mobile Revolution wurde vielleicht sogar durch Social Media angeheizt. Die Kamera moderner Smartphones war der Treiber für die Verbreitung von fotolastigen Netzwerken wie Pinterest und Instagram. Sichtbare Konsequenz: Foto- und Videoposts sind inzwischen überwiegend hochkant statt quer.

Influencer

Die Stars der Social Media Welt nennt man Influencer. Jedes Lifestyle-Segment und beinahe jedes Thema hat seine Influencer. Teils erreichen diese Personen größere Reichweiten als Fernsehen oder Zeitschriften. Und doch, die Kennzahl Menge der Likes im Verhältnis zur Zahl der Follower auf Instagram ist über die vergangenen Jahre dramatisch eingebrochen, berichtet eine Studie. Dabei sind Reise-Influencer noch am beliebtesten, die auf eine Interaktionsrate von 4,5 % kommen. Der Rest der User scrollt immer öfter einfach uninteressiert über neue Einträge hinweg, weil es einfach zu viele Posts im Netzwerk gibt.

Kritik

Fake News, Filterblase, Cybermobbing, Datenskandal … die Liste der Vorwürfe im Zusammenhang mit sozialen Netzwerken ist lang. Der verantwortungsvolle Umgang mit den Diensten will gelernt sein. Einfach Regeln sollte jeder Nutzer beherzigen:

  • Den Feed Ihrer Follower nicht zuspammen, also nicht mit nutzlosen Werbebotschaften überfluten
  • Persönliche und Unternehmens-Profile trennen
  • Sparsamkeit mit persönlichen Daten, z. B. nicht ungefragt Personenfotos (insbesondere von Kindern) posten
Süß, aber heikel - Kinderfotos auf Social Media. Das Web vergisst nicht.
Süß, aber heikel – Kinderfotos auf Social Media. Das Web vergisst nicht.

 

Tipps für Social Media Marketing 2020

Aus den beschriebenen Entwicklungen lassen sich diese Tipps für Social-Media-Marketing 2020 im Tourismus ableiten:

    • Um die geeigneten Netzwerke zu ermitteln, fragen Sie regelmäßig die eigenen Gäste (Zielgruppen), auf welchen Plattformen sie aktiv sind (fragen Sie auch nach den Business-Netzwerken Xing und LinkedIn)
    • Dort eigene Profile aufbauen und Inhalte regelmäßig posten, Kommentare und Nachrichten beantworten
    • Logischerweise anderen Nutzern folgen, Inhalte liken, kommentieren und teilen
    • Als Content-Format insbesondere Videos und Stories nützen
      Facebook Stories Hilfeseiten
      Instagram Stories Hilfeseiten
    • Der Stil der Inhalte sollte aber dem Netzwerk angepasst sein: Auf Instagram geschönte Fotorealität, auf Facebook kleine Videos, auf LinkedIn und Twitter spannende Fakten, …
    • Die Netzwerke mit der jeweiligen App am Smartphone selber benützen
    • Aktionen mit Bloggern oder Influencern der Region nutzen, aber (vorher) über die Erwartungen sprechen
    • Die bezahlten Werbemöglichkeiten der Netzwerke testen – nur mit gutem Content alleine ist oft kein Blumentopf mehr zu gewinnen

Anschauungsmaterial

Im nächsten Beitrag zeige ich ein paar Beispiele für Social-Media-Arbeit von Hotels und Vermietern. Gerne schicken Sie mir Beispiele für gute Social-Media-Präsenzen von Unterkünften an j.karl[klammeraffe]ecoach.at oder schreiben einen Kommentar unten. Eine Auswahl werde ich im nächsten Artikel präsentieren.

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