Online buchbar? Nicht mit mir!

Die fünf häufigsten Vorbehalte gegen die Onlinebuchung auf dem Prüfstand

Sie vermieten seit 30 Jahren. Kinder Ihre Stammgäste sahen Sie heran wachsen. Aus dem Waschbecken im Zimmer wurde ein ganzes Bad, aus dem Doppelzimmer ein Appartement, aus dem Frühstücksraum ein netter Treffpunkt mit Selbstbedienungs-Kaffee. Sie wissen wie es läuft in der Vermietung!

Und nun schreit alle Welt: online-buchbar musst du sein, sonst gehst du unter. Aber nicht mit mir!

In diesem Gespräch zwischen Silvia Pfeil, Geschäftsführerin des Vereins Alpine Gastgeber und verantwortlich für die Vermieterakademie Tirol, und Jochen Karl, eCoach der Destination Kaiserwinkl und Gründer von eCoach.at, gehen die beiden den fünf häufigsten Vorbehalten gegen Online-Buchbarkeit auf den Grund.

Silvia-Pfeil_Jochen-Karl_Interview
Silvia Pfeil und Jochen Karl

Mein Haus gehört immer noch mir

Pfeil: Wenn die Wohnungen und Zimmer „draußen“ im Web herumgeistern, können sie zu jeder Zeit gebucht werden. Plötzlich ist das Zimmer weg und mein Stammgast hat keinen Platz mehr.

Karl: Auch wer online buchbar ist, behält die Zügel und die Zimmerschlüssel in der Hand! So geht das z.B.: nur zwei von drei Appartements zur Online-Buchung freigeben, das dritte kann nicht im Internet gebucht werden – nur auf Anfrage oder per Telefon. In Wochen, in denen nicht vermietet werden soll, wegen Umbau, Kuraufenthalt oder aus familiären Gründen, bleibt Ihre Türe zu! Für diese Wochen ist das Zimmer nicht frei geschaltet.

Im Internet buchen und sofort ins Zimmer

Pfeil: Der Gast parkt im Dorf, klickt auf „Zimmer buchen“ und steht fünf Minuten später vor meiner Tür. Ich lasse mich doch nicht ans Haus fesseln!

Karl: Eigentlich gab es das auch früher: Durchreisende sahen ein „Zimmer frei“ Taferl und klopften an. Wenn niemand zu Hause war, versuchten sie es beim Nachbarn und der sagte: erst um 16.00 Uhr ist das Zimmer fertig. Im Internet können Sie selbst einstellen, wie viele Stunden oder Tage zwischen Buchungsklick und dem Willkommen in der Pension mindestens liegen sollen. Sofort nach einer Online-Buchung erhalten Sie eine E-Mail oder SMS. Danach bleibt so viel Zeit, wie Sie selbst eingetragen haben. Wenn der Gast die Koffer im Eingang abstellt, ist die Wohnung bezugsbereit.

Eine gute Gästemischung ansteuern

Pfeil: Wenn nur Familien mit Babys buchen, habe ich zu wenig Gitterbetten. Oder wenn in allen Wohnungen ein Hund kläfft.

Karl: In jeder ordentlichen Software oder in den Online-Buchungs-Systemen der Tourismusverbände können Anzahl und Mindestalter der Kinder eingestellt werden. Auch, ob Haustiere erlaubt sind oder nicht. Der Vermieter hält das Steuer in der Hand: sobald für eine Woche viele Kleinkinder gebucht sind, die noch leeren Wohnungen „umdisponieren“.

Meine Gäste will ich mir aussuchen!

Pfeil: Internetbucher lüften erst dann den Schleier von Nationalität und Name, wenn die Buchung fix ist. Keine Ahnung, wer mich überfällt – einmal gebucht, kann ich nicht mehr einschreiten!

Karl: Einen Gast lernt man in der Angebotsphase in gewissem Sinne kennen – telefonisch oder per E-Mail. Man vernimmt Namen, Sonderwünsche, die Sprache, vielleicht auch den Wohnort. Das stimmt schon. Die Buchungen aus dem Internet bleiben unbekannt, bis die Daten auf PC oder Handy eintrudeln. Aber Hand aufs Herz: wie viele dieser unbekannten Gäste werden Probleme bereiten? 2 von 100? 98 Mal gute Gäste und Gewinn, für 2 Mal Ärger.

Ein Riesentheater um so wenige Online-Buchungen

Pfeil: Eine Vermieterin hat genau mitgeschrieben: nur 3 % der Buchungen hat sie online erhalten. Den Rest von Stammgästen, aus E-Mails und Telefonaten. Das macht das Kraut nicht fett!

Karl: Es stimmt, oft gehen nur wenige Online-Buchungen ein. ABER: sichtbar ist man durch die Zimmer, die online zu buchen sind! Die interessierten Gäste sehen durch dieses Zimmer das Haus schauen auf der Homepage und schicken eine E-Mail oder rufen an. Ohne Online-Buchbarkeit hätten sie die Privatpension niemals finden können.

Alles Neue braucht Übung. Auch Online-Buchbarkeit braucht am Anfang etwas Gewöhnung. Sie werden sehen, nach einer Saison möchten Sie darauf nicht mehr verzichten. Über das Internet bekommen Sie neue Gäste, aus denen mit der Zeit Stammgäste werden können – und die werden Sie vielleicht sogar wieder anrufen, um für den nächsten Urlaub zu buchen.

Dieser Artikel erschien auch im Mitglieder Magazin des Privatvermieter Verband Tirol 09/2015

3 Gedanken zu „Online buchbar? Nicht mit mir!“

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