Google Destination - die Zukunft der Reiseplanung - googeln war gestern

Google Reiseziele – googeln war gestern

Reiseziele auf Google zeigt die Zukunft der Reiseplanung

Google Destinations (zu Deutsch ‚Reiseziele auf Google‘) ist eine Reiseplanungshilfe von Google. Diese Funktion wurde zwar im März 2016 vorgestellt (vgl. diesen offizielle Artikel), zu Beginn war der Service aber nur für 201 Reiseziele weltweit verfügbar und die Suche auf einem Desktop-Computer hatte noch keine Destinations-Funktion. Ein halbes Jahr später kam die Desktop-Version (hier nachzulesen). Jetzt haben auch nationale Suchen wie google.at die neue Funktion übernommen. Und immer mehr touristische Google-Suchen haben die Erweiterung mit Reiseziel-Ergebnissen.

Wenn Sie Reiseziel auf Google noch nicht kennen, sollten Sie es jetzt ausprobieren. Wenn man selber damit spielt wird klar: diese Erweiterung von Google zeigt wie die Zukunft der Reiseplanung im Internet aussehen könnte. Der Ansatz ist, Information, Flug und Hotel aus einer Hand zu liefern –  und zwar der der Suchmaschine. Bedenkt man Googles Marktmacht  wird klar, das wird für alle Anbieter im Tourismus große Auswirkungen haben.

google reiseziel suchfeld
Google Reiseziel, alles aus einer Hand: Information, Flug und Hotel

Googeln war gestern

Aber nacheinander. Früher war Google einfach eine Suchmaschine. Um eine Urlaubsreise zu planen googelte man zum Beispiel erst das Wunschziel. Hatte man grob den Urlaubsort gefunden googelte man Hotels und zum Schluss die Anreisemöglichkeiten. Manche Studien sprachen von durchschnittlich sieben verschieden Webseiten, die man aufsuchte, um seine Reise zu planen. Dazwischen, passierte ein Vielfaches an Google Suchen. Für einen Anbieter der damit Geld verdient, dass er bei jeder einzelnen Suchanfrage Anzeigen einblendet, eigentlich ein totsicheres Geschäftsmodell.

Google selbst arbeite schon seit Längerem dagegen, indem das Google Suchergebnis versucht, viele Fragen direkt zu beantworten, ohne dass der Besucher Google verlassen muss; bestes Beispiel, der aktuelle Wetterbericht – wer soll da noch zum ORF klicken?

Wettervorhersage im Google-Such-Ergebnis
Wettervorhersage im Ergebnis der Google-Suche

Altbekannt sind auch die Boxen rechts von Google-Ergebnissen mit z.B. einem Ausschnitt aus Wikipedia (sog. Knowledge Graph). Hier eine Ansicht, erweitert mit den neuen Google Reiseziel-Treffern direkt unter Sucheingabe. Die vier „eigentlichen“ organischen Suchergebnisse haben nur noch einen kleinen Anteil an der Bildschirmfläche.

Google-Ergebnisse mit „Knowledge Graph“ rechts und den neuen Google Reiseziel-Treffern auf Pos. 1

 

Google wird ein Reisebüro

Google baut weltweites Tourismusbüro“, schrieb der Salzburger Tourismusvordenker Reinhard Lanner im Mai 2016. Zumindest ist Google auf dem Weg dahin. Der neue Service Google Destinations schlägt Reiseziele vor, informiert über Sehenswürdigkeiten, Klima, Reisezeit, Anreise, Preisniveau und Auslastung, offeriert Hotels und Flüge – alles, ohne dass ich Google verlassen muss.

Natürlich gibt es noch viele Schwächen, die man bei einem echten Reiseführer in Buch- oder App-Form bemängeln würde

  • Die aus Panoramio (inzwischen eingestellter Bilderservice von Google) genommen Bilder sind oft unpassend und unvorteilhaft: Der Sehnsuchtsort der Skifahrer St. Anton am Arlberg als Bahnhof im Sommer?St. Anton in Google Destination
  • Viele Regionen fehlen oder werden anders bezeichnet. Beispielsweise werden eher politische Bezirke („Lienz“) statt den Destionationsmarken („Osttirol“) verstanden . Das beliebte Zillertal kennt Google Reiseziele gar nicht, wer sucht schon nach Bezirk „Schwaz“?
  • Die Funktion „Reise planen“ funktioniert nur für Flugreisen („Abflugsort“), obwohl mit Google Maps ein mächtiger Routenplaner über viele Verkehrsmittel zur Verfügung stünde. Ist das weil Google bislang mit Flugvermittlung Geld verdient, nicht aber mit Routenplanung?

    Google Destinations: Reiseplanung nur für Flug-Anreise
    Google Destinations: Reiseplanung nur für Flug-Anreise

Was uns zur eigentlich interessanten Frage führt: Warum macht Google überhaupt einen Reiseführer selber und verdrängt damit profitable Werbeanzeigen?

Der User will es so

Diese Erklärung ist die noble “Don’t-be-evil“-Variante (frei nach dem ehemaligen Google Grundsatz). Nutzer klicken nicht gerne vor und zurück, vor und zurück, … und finden einfach nicht was sie suchen. Suchmaschinen, die nicht zufriedenstellende Ergebnisse liefern, werden vom User verlassen (oder kennt wer noch altavista.com?). Und bevor eine anderer Suchmaschine oder sonstige Zukunftstechnologie (Amazon Echo?) uns alle Wünsche von den Lippen abliest, probiert es Google gleich selber. Wer sonst kennt uns schließlich so gut?

Mit qualifizierten Leads lässt sich noch mehr Geld verdienen

Das ist die Business-Erklärung. Wer Gästedaten mit konkretem Buchungswunsch anbietet, kann mehr als Centbeträge für Klicks verlangen. Umgerechnet wurden bisher schon via Google Hotelfinder 10% bis 15% Provision auf den Buchungsbetrag fällig (nachzulesen hier).  Google will die Buchung nicht selber machen, aber noch mehr daran verdienen.

Wo führt das hin?

Ein paar Gedanken zu den Auswirkungen:

  • Flug- und Hotelmetasucher wie Trivago bekommen ernst-zunehmende Konkurrenz (mehr zu → Meta-Suchmaschinen)
  • Destinationen sollten ihre Daten (Bilder/Texte) auf allen Google Plattformen warten, um optimal dargestellt zu werden
  • Suchmaschinenoptimierung (SEO) wird noch umfangreicher. Jeder muss seine Webseiten für Google Rich Cards und Snippets lesbar machen (mit SCHEMA.org konnotieren, mehr dazu)
  • Reise-Plattformen werden neue aufwendige Schnittstellen nach Google-Konventionen brauchen
  • Gegen die Gefahr im Sumpf der perfekt vorgespiegelten Auswahl und Vergleichbarkeit unterzugehen, hilft einem Anbieter nur die eigene Markenstärke

Wie geht es Ihnen? Welche Gedanken an die Zukunft der Reisevermittlung kommen bei Ihnen hoch? Googeln Sie noch, oder reiszielen Sie schon?

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